Über Sinn und Unsinn erfolgsbasierender Honorierung der Suchmaschinenoptimierung

Vermutlich wird kein Branchenmitspieler es zugeben, aber die Anfrage einer SEO-Dienstleistung in Verbindung mit einem Erfolgshonorar ist nicht „unüblich“. Das erfolgsbasierende Element ist hier in der Regel:

  1. Honorare werden nach Erreichung diverser Positionen ausgezahlt
  2. Honorare werden bezogen auf erreichte Umsätze ausgezahlt

Zu Pkt. 1

Während meiner ca. 8 jährigen Aktivität als „SEO“ habe ich immer wieder die Erfahrung machen dürfen, dass eine fest definierte Positionierung kein Garant für die wirtschaftliche Werthaltigkeit der zu bewerbenden Objekte darstellen kann. Positionen und platzierte Keywords sind immer im Zusammenhang bestimmter Trends, Zielgruppen und Bedürfnisse potentieller Kunden zu betrachten. Im schlimmsten Fall freut man sich hier also über diverse #1 Positionen, ist aber frustriert über ausbleibende Geldflüsse für den zu betreuenden Klienten. Mich erreichte auch einmal eine Anfrage, ob ich eine zeitabhängige Honorierung in Verbindung mit Positionen akzeptieren würde. Dies bedeutet quasi #1 zu XXX-EUR je Monat. Für mich war eine Ablehnung konsquent, da auch hier der jeweilige Vertragspartner regelrechte Unsummen auch bei ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg zu zahlen hätte.

zu Pkt. 2

Prinzipiell ist eine ertragsabhängige Honorierung durchaus interessant. Hin und wieder lese ich von diesem Modell und diversen Mitbewerbern die genau diese Honorierungsform anbieten. Für mich setzt allerdings diese Bezahlform ein enormes Maß an Vertrauen voraus weil hier z.T. ohne genauere Einblicke in die jeweilige Buchhaltung auf die absprachgemäße Honorierung gehofft wird. In der Regel wird der Anfragende selbstverständlich Einblicke in die Buchhaltung und Einflussnahme in die eigene unternehmerische Freiheit unterbinden. Sauber wäre natürlich die Einbindung des Wunsch-SEOs als temporärer Geschäftspartner mit entsprechenden Rechten und Pflichten – auch hier erlebte ich immer wieder diverse Ablehnungen.

Die effektivste Form der Honorierung einer SEO-Dienstleistung ist also eine Aufwandsbezogene. Um das zu begreifen, sollte ein Anfragender natürlich wissen, wofür bezahlt wurde. Bei uns lässt sich die Suchmaschinenoptimierung anhand der folgenden Schwerpunkten quasi definieren:

1. grundlegende Auseinandersetzung mit der Branche, der Zielgruppe des Anfragenden

Weil die Suchmaschinenoptimierung immer ein individueller Prozess ist, existiert in den seltensten Fällen die Möglichkeit des Arbeitens nach Schema F. Sicherlich lassen sich kleinere Projekte welche idealerweise lokal aktiv sind mit Hilfe einfachster Socialbookmarkingaktivitäten, PR-Meldungen und ein bischen Linkaufbau abarbeiten aber in der Regel steht der kompetente SEO erst einmal vor einem gewaltigen Problem: es fehlen grundlegende Einblicke in die jeweiligen Branchen. Grob formuliert: Es ist nicht immer unbedingt Bestandteil der eigenen Allgemeinbildung, zu wissen wie ein zu bewerbendes Produkt oder eine zu pushende Dienstleistung im Detail funktioniert. Ich vertrete persönlich die Ansicht, dass genau hier der Schlüssel einer ertragreichen Zusammenarbeit liegt. Bediene ich also ein Restaurant der schönen Stadt Leipzig, schaue ich mir die Räumlichkeiten an, rede mit den Angestellten und teste die dargebotenen Gerichte. Einige besondere Fälle zwingen den kompetenten SEO selbstverständlich auch zur Lektüre entsprechender Fachliteratur oder zu vielen (!) Gesprächen mit dem Auftraggeber. Kurzum: eine werthaltige SEO bedeutet i.d.R. immer eine intensive Beschäftigung mit dem zu bewerbenden „Thema“ – auch fachlich bezogen.

2. Identifizierung der Zielgruppen

Nach Schritt 1 und intelligenten Gesprächen mit den potentiellen Auftraggebern und anhand eigener Allgemeinbildung lässt sich das Zielgruppenproblem relativ einfach lösen. Ergänzende Inspirationsquellen sind für mich immer diverse Medienprodukte (für ein Projekt aus dem Modebereich widmete ich mich bspw. einmal dem Studium von „Sex and the City“), diverse Fachforen und Blogs oder Gespräche im eigenem sozialen Umfeld.

3. ggf. Anpassungsarbeiten am zu bewerbenden Objekt

Es ist nach meiner Erfahrung extrem selten (!), dass man bei KMU den quasi-Idealzustand und die ultimative Erfüllung aller SEO-Standards auf den zu bewerbenden Seiten findet. Selbstverständlich müssen hier Handlungsanweisungen ausformuliert, Ergebnisse kontrolliert – „abgenickt“ und u.U. eigenständig technische Veränderungen und Anpassungen durchgeführt werden. Ganz im Sinne eines optimierten Arbeitsflusses neige ich zu der Argumentation, dass der aktive Suchmaschinenoptimierer selbstverständlich Basiswissen betr. der technischen Pflege der StandardCMS, Blogsysteme und eCommerce-Anwendungen zu besitzen hat. Ist dies nicht der Fall, muss i.d.R. externe Hilfe eingekauft werden.

4. Linkaufbau, Offpageoptimierungen

Im idealen Fall führen wenige Linksetzungen zum gewünschten Ergebnis. Dies ist – meiner Erfahrung nach – i.d.R. bei stark lokal begrenzten Dienstleistungsgeschäften oder Nischenprodukten der Fall. Zu diesem Dienstleistungsabschnitt gehört nicht nur das simple Setzen von Links, sondern das Linkmanagement anhand eines vorher zu definierenden „Kommunikationskonzeptes“. Ich betrachte einen Link nicht als „Währung des Internets“ oder interessiere mich schwerpunktmäßig für dofollow / nofollow weil ein gesetzter Link nichts weiteres als ein Akquise- und Traffickanal zu betrachten ist. Dies bedeutet natürlich eine fortlaufende Erfolgskontrolle wie bspw.: „Wieviele Besucher kommen über Link XYZ? Wieviel Umsatz generierte welcher Link?“. Ein weiterer – gern vernachlässigter – Aspekt der sog. Offpageoptimierungen ist die grundlegende Natur des Internets: alles bewegt sich ständig und das Netz wächst „organisch“ durch die Etablierung neuer und innovativer Medien / Werkzeuge. Übertragen auf die Arbeit des kompetenten SEO bedeutet das natürlich eine quasi nie endende Experimentierreihe zur Identifizierung besonders werthaltiger Linkpartner, Linkspender und Entwicklung neuer Strategien.

Der vermutlich wichtigste Punkt ist natürlich die zu tragende Verantwortung des SEOs. Man ist nicht nur für die Herstellung diverser Positionen und Trafficvolumina verantwortlich, sondern auch für die Abwendung eventueller Probleme bzgl. der Weiterentwicklung sämtlicher relevanter Suchmaschinen. Kurzum: gemachte Fehler können auch den Totalverlust eines Internetgeschäftfeldes bedeuten.

Also: Honorarkungelei oder unverschämt niedrige Honorarvorstellungen ist für die beteiligten Parteien wenig zielführend. Ich verweise hierbei immer gern auf die vielen Hilfeschreie in den üblichen Foren welche immer diverse Abstürze und „Probleme“ zum Inhalt haben.

Ich kritisiere selbstverständlich auch unverschämt hohe Honorarvorstellungen für halbautomatische oder vollautomatische SEO-Dienstleistungen. Die „Klassiker“ wären hier Blogcommentspamming mit Hilfe der „Scrapebox“, SocialBookmarking mit Hilfe vom BookmarkingDeamon oder das „Spammen“ von Statistic-Links (siehe RapidIndexer der Scrapebox).

PS.:

Ein kompetenter SEO freut sich über Erfolge, produziert Erfolge und tut sehr viel für die Produktion einer „werthaltigen“ Positionierung. Der Grund ist recht einfach: erfolgreiche Projekte bedeuten immer weitere Erkenntnisgewinne und glückliche Referenzgeber. ;-)

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