Influencermarketing, Influenceraccounts und das (lästige) “Problem” der Youtubevideopromotion

Bei der neulich besuchten Akquise- und Vertriebsveranstaltung wurde auch das Medium Youtube im Sinne der Influencermarketingstrategien vorgestellt. Als Teaser zeigte man dem Publikum viele schöne Bewegtbilder mit spannend wirkenden Interaktionszahlen (Daumen hoch, Kommentare usw.). Im Rahmen der ersten Mediensichtung entdeckte ich da nicht erklärbare, jedoch schöne, Zahlen und da verlangte ich die Verifikation, weil aus meiner Perspektive eben im Influencermarketing das Zustandekommen von Interaktionen, Reichweiten und sonstigen Effekte so erklärt werden muss, dass externe Beobachter_innen hier eben den verkauften Mehrwert erkennen können. Leider wurde auch hier auf „Interna“ verwiesen und das bedeutet, dass eben NUR der Accountinhaber über die bekannten plattforminternen Analyseprozeduren verfügt.
Das hat zur Folge:

(1) Keinerlei Transparenz zu den verkauften Reichweitenzahlen.
(2) Keinerlei Transparenz oder sogar Logik zu den verkauften Reichweitenprognosen.
(3) Keinerlei Gegenprobeansätze zu den verkauften Zahlen und Prognosen.
(4) Fokussierung auf subjektive Elemente, wie „Erfahrung“ oder „Erfahrung mit den Influencern“.

Der Punkt 04 erscheint mir gerade im Zusammenspiel der Onlinemarketingstrategien als extrem wichtig und ich verstehe nicht das permanente Hinweisen auf Erfahrung. Vor einigen Tagen verfasste ich auch auf diesem Blog einen Artikel zu Autoritäten und hier führe ich den Gedanken weiter: bei der Verkaufsveranstaltung wurde dieses videobasierte Influencermarketing von einer anerkannten Autorität beworben und eine Autorität kann / darf selbstverständlich als Autorität positioniert werden, wenn eben auch die Verkaufsargumentation rund um „Erfahrung“ absolut klar, transparent und auch überprüfbar bewiesen wird. Dies ist nicht geschehen und offensichtlich auch nicht Ziel dieser – als Vortrag getarnten – Verkaufsveranstaltungen und die Beobachtung bewegte mich, hier einmal die Werkzeuge aufzulisten, welche ich im Rahmen dieser oder jener obligatorischen Rechercheaktivitäten gefunden und getestet hatte.

[Hinweis]
Pro Forma: Die vorgestellten Werkzeuge wurden im Rahmen von obligatorischen Recherchearbeiten und Experimenten eingesetzt und bewertet. Ich übernehme keine Verantwortung für das Tun der Leser_innen und ich rate nicht zu einem wahllosen Einsatz.

(1) http://addmefast.com/
Das System erlaubt das Anlegen von kostenlosen Accounts und basiert auf einer virtuellen Währung (Coins). Diese Coins lassen sich über zwei Optionen „auffüllen“: (a) Echtes Geld ausgeben und (b) Interaktionen. Interessant ist die Option (b) und Diese lässt sich völlig simpel realisieren und zwar so: man besorgt sich bspw. irgendeinen „Fake“-Account von Google, loggt sich mit den entsprechenden Daten auf Google ein und lässt sich im System Videos zeigen. Jedes Mal, wenn Fake-Account da ein Video mit „Daumen hoch“ belohnt, bekommt man eine frei definierte Summe „Coins“ auf das Konto gut geschrieben. Natürlich lässt sich diese Summe weiter erhöhen, indem man das Spiel mit den anderen Socials betreibt und addmefast bietet da an: Pinterest, Instagram, Twitter und Twitter. Interessant ist auch, dass das Werkzeug starke Interaktionsvolumina mit „Bonus“-Coins belohnt (500). Meine Tests beanspruchten ungefähr 1h Interaktionszeit für das Erwirtschaften von 3000 Coins. Diese Summe „investierte“ ich in „Daumen hoch“ bei irgendeinem meiner Testvideos und ich bekam über diesen Weg weit über 1000 Likes.

(2) https://www.followlike.net/
Dieses System hat genau dieselben Funktionsweisen, wie addmefast. Es basiert auch auf den Tausch von Interaktionen zu virtuelle Währung und ich entdeckte hier sogar einen spannenden Sonderfall: man kann hier sogar Coins erwirtschaften, wenn man für die aktiven Accounts Backlinks setzt, Webseiten besucht und diverse SEO-bezogene Metriken hierüber beeinflusst.

Zwischenfazit:
Beide Systeme verbrauchen relativ wenig Zeit und ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Interaktionen->Coin-Prozedur relativ problemlos mit der Hilfskraft / dem Trainee abdeckbar ist. Ich schätze, dass die Plattformen zwischen 1-2h / Tag Zeit in Anspruch nehmen und dass dieses Volumen genug Puffer für die Dauerpromo von bspw. YT-Videos schaffen kann, da die Publishfrequenzen von diesen Medien nicht so hoch, wie bei bspw. bildlastigen Medien, sein dürfte. Während der Experimente habe ich Videos, Tweets, Bilder und auch Facebookbotschaften gesehen, die aus folgenden Quellen kommen:

(a) deutsche Firmen
(b) deutsche Influencer
– sehr professionelle Bildsprachen
– sehr professionelle Auftritte
(c) 50% Gamingszene

Persönlich pflege ich eine pragmatische Sichtweise auf diese Plattformen: diese erfüllen durchaus einen Zweck, werden offensichtlich benutzt und besprochen. Ich kann auch nichts erkennen, was hier eine moralisierende Bewertung verdient, denn im Umfeld der Socialmedia hängt das Ranking und die Sichtbarkeit der Accounts eben auch mit der schnellen und effektiven Organisation der gewünschten Interaktionen zusammen. Dies lässt sich mit Gegencheck auf die durchaus vorhandenen Beobachtungen, Dokus und Erfahrungsberichte zu den Algorithmen der Socialmedia durchaus gegenprüfen. Weiter noch: die Natur der Socialmedia und auch die ständigen Arbeiten an den Algorithmen zwingt eigentlich die Accounts zum „Nachhelfen“ und hier wundere ich mich immer wieder darüber, dass unsere Branche und unsere Marktteilnehmer_innen mit starken, emotionalen und moralisierenden Worten (natürlich gepaart mit „Erfahrung“) aktiv Gegenthesen kommunizieren und auch extrem klar aussagen, dass man sich von diesen Alternativwerbestrategien fernzuhalten hat. Warum eigentlich? Ich sehe keinerlei Logik darin, Strategien regelrecht und mit viel Emotion zu verteufeln, obwohl diese Strategien selbstverständlich von den vermittelbaren Influencern genutzt werden. Die Ansätze werden nicht nur benutzt, sondern auch vielfach in den Foren, in den Blogs und in den Gesprächen diskutiert und ausgewertet. Wenn allerdings die Vermittlerbranche das nicht kennt, nicht benutzt und auch nicht bewerten kann, frage ich mich, ob das Influencermarketing in der aktuellen Form und Angebotsbreite überhaupt den versprochenen wirtschaftlichen Mehrwert liefern kann. Nun pflege ich auch ein recht gutes und professionelles Verhältnis zu den Branchenvertreter_innen, die auch durchaus direkte Konkurrenten zur Wobus & Lehmann GbR sind. Ich diskutiere da viel über Alternativstrategien und erkläre auch, warum aus meiner / unserer Sicht die Sichtung, die Begutachtung und die Bewertung von diesen Ansätzen wichtig ist. Ich begründe das u.a. mit einer Art Vermittlerrolle, die wir hier einnehmen: in dem Moment, wo Projekt bei uns ausgelöst werden, sind wir in der Verantwortung der optimalen Strategiewahl inkl. der Prognosenabsicherung und da müssen in vielen Fällen auch Grauzonen mindestens analysiert werden. Ganz simpel gedacht: bei der Positionierungsarbeit an Instagramaccounts neigen wir dazu, aus Firmenaccounts eben Influenceraccounts zu generieren und hier muss die Agentur „Wobus & Lehmann GbR“ sämtliche Ansätze aus der professionell aufgestellten Influencerszene kennen, durchspielen und bewerten. Ich nenne das „Weiterbildung“, weil eben das Element „Weiterbildung“ prägend für die komplette Branche ist und selbstverständlich auch über die Honorare abgedeckt wird.

Nun sehe ich auch im Dienstleistungs- und Beratungsmarkt deutlich höhere Honorare und frage mich, warum dort folgende Argumente gegen diese „Weiterbildung“ ausformuliert werden:

(a) Ich habe keine Zeit für sowas.
(b) Ich verstehe das nicht.
(c) Ich habe keine Leute für sowas. (Klischeeargument aus größeren Agenturen …)
(d) Ich finde keine Leute für sowas. (Simple Google-Recherchen und „Lesen“ sind grundsätzliche Fähigkeiten, die per Allgemeinbildung abgesichert sein sollten.)
(e) Du repräsentierst eine Nische und machst unverständliches Nerd-Zeug.

Fragen? Ideen? Anfragen? Austausch gewünscht? Ich freue mich über Rückmeldungen via den üblichen Kanälen.

PS. Der nächste Artikel wird sich mit der Organisation von Followern beschäftigen.

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